Der Tatort.

Es gibt Dinge, die polarisieren. Die findet man entweder super, oder man findet sie ziemlich blöd. Menthol-Zigaretten zum Beispiel. Das Oktoberfest. Frauke Petry. Selten gibt es jemanden, der keine eindeutige Meinung zu diesen Themenkomplexen hat.
Der Tatort, der mit seinen 46 Jahren Laufzeit im ersten deutschen Fernsehen schon so zum deutschen Alltag dazu gehört wie das Verkehrschaos beim ersten Schnee, polarisiert auch so ein bisschen. Liebe ihn oder verachte (1) ihn!
Ach so, du weißt noch nicht, was der Tatort ist? Pass auf: Der Tatort ist eine Krimi-Reihe, die seit 1970 jeden Sonntag Abend um 20.15 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen (ARD) zu sehen ist. Und am Sonntag, den 14.11. kam die 1000. Folge im Fernsehen!
Was ist denn das besondere am Tatort, fragst du dich? Nun ja, der Tatort ist nicht nur die beliebteste Krimiserie im deutschsprachigen Raum. Der Tatort spiegelt unseren Zeitgeist, indem er aktuelle gesellschaftliche oder politische Themen aufgreift (2) und für ein breites Publikum verarbeitet, wie zum Beispiel Migration. Es ermitteln (3) immer zwei Kommissare, die im Zentrum der Geschichte stehen und es mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun haben. Wichtig ist auch die psychologische Verfassung der Täter; gewöhnliche Verbrechen findet man im Tatort nicht.
Der Tatort spielt in unterschiedlichen (Groß-)Städten im deutschsprachigen Raum. Dadurch gibt es eine ganze Reihe bekannter deutscher Schauspieler, die schon einmal als Tatort-Kommissare ermittelt haben: Von Manfred Krug habe ich euch ja bereits erzählt; Götz George war jahrelang als Horst Schimanski unterwegs; in den letzten Jahren waren Maria Furtwängler, Simone Thomalla, Til Schweiger oder Jan Josef Liefers zu sehen, um nur einige zu nennen.
Generell möchte der Tatort nicht trivial und bieder sein, sondern unterhaltsam und modern, und erregt damit natürlich auch ein bisschen Aufsehen (4); Männersex wurde schon gezeigt, und Nastassja Kinskis nackige Brüste erlangten 1977 so viel Berühmtheit, dass sie dieser sogar eine Eintrittskarte nach Hollywood verschafften. Til Schweiger zeigte immerhin schon seinen entblößten (5) Hintern.
Um die 10 Millionen Menschen schalten jeden Sonntag den Tatort ein! Das sind also diejenigen, die sich seit zig Jahren am Sonntag Abend eisern vor dem Fernseher versammeln, während der gesamten Sendezeit nicht ans Telefon gehen und am Montag im Büro fröhlich über die mehr oder weniger gut gelungene Handlung referieren. Und es gibt die anderen, die die Nase rümpfen (6) über diese alte typisch deutsche gewollt zeitgemäße Fernsehgeschichte. Die gar Tatort-Bashing via Twitter betreiben und sich fragen, wann endlich Schluss ist mit diesen ach so dilettantischen Kommissaren, die hanebüchenen (7) Geschichten hinterher jagen.
Aber Moment! Vielleicht gibt es doch noch ein drittes Team: diejenigen, die einen Tatort-Verächter in der Familie haben. Die würden so gerne, dürfen aber nicht. Es ist ein Drama: Zu dieser Gruppe gehöre auch ich.
Ein Glück für uns, dass man jede Folge einen Monat lang online in der Mediathek des ARD ansehen kann.
1 jemanden (Akk) verachten: EN despise / ES menospreciar
2 jemanden oder etwas (Akk) aufgreifen: EN pick up / ES capturar
3 ermitteln: EN investigate / ES investigar
4 Aufsehen erregen: EN cause a stir / ES causar sensación
5 entblößt: Part.II von entblößen: EN uncover, expose / ES desnudar
6 die Nase rümpfen über etwas:EN  look down on sth. / ES arrugar la nariz
7 hanebüchen: EN far-fetched / ES descabellado
8 Verächter: von verachten, siehe 1
Quellenangaben:
Nürnberger Nachrichten vom 12./13.11.2016, Wolfgang Händel: „Der Mord zum Sonntagabend“.
Daserste.de, abgerufen am 12.11.2016.
Focus.de/kultur/kino_tv/tatort, abgerufen am 12.11.2016
Bildnachweis: http://www.mediathek.daserste.de
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