Der Nikolaustag

Der Nikolaustag

Gestern Abend haben meine beiden Kinder in heller Aufregung (1) ihre Schuhe geputzt. Zum ersten Mal in ihrem jungen Leben! Denn sie glauben, jemand könnte ihre kleinen ein bisschen nach Eichhörnchendreck (2) riechenden Stiefel mit Schokolade befüllen. Wie kommen sie nur auf diese Idee?

Wie ihr sicher schon wisst, ist heute der Tag des Heiligen Bischof Nikolaus. An diesem Tag, oder in manchen Regionen auch am Abend davor, werden die Kinder in Deutschland vom Nikolaus beschenkt. Dies geschieht auf unterschiedliche Art und Weise: in einigen Familien werden die Geschenke über Nacht in einen Strumpf, in einen Stiefel oder in ein Säckchen gelegt. In anderen Familien kommt tatsächlich der Nikolaus, teils in Begleitung (3) seines Gehilfen Knecht Ruprecht, und gibt den Kindern ihre Geschenke. Natürlich nur, wenn sie brav waren.

Meine Kinder putzten also gestern ihre Stiefel, stellten sie vor die Tür und hüpften heute um 06:00 Uhr morgens aufgeregt im Schlafanzug hinaus in die Kälte. Und was für ein Glück: Der Nikolaus hatte etwas in ihre Stiefel gesteckt!

Ich habe als Kind nie meine Schuhe nach draußen gestellt, denn in meiner Erinnerung klingelte es abends am 05. Dezember an der Tür. Während ich schnell versuchte, mich hinter dem Sofa zu verstecken, stand auch schon dieser riesige Mann im langen Mantel in unserem Wohnzimmer und behauptete, „von drauß‘ vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!“ (4)

Wie, aus dem Wald kommst du? Du wohnst doch auf dem Nordpol!“ (5), sagte meine Schwester sehr mutig, was den heiligen Nikolaus vorübergehend aus dem Konzept brachte. Er zog dann aber doch, sehr um bischöflichen Ernst bemüht, sein großes Buch aus der Tasche und fragte, „wart ihr denn alle brav?“ Spätestens da kam auch ich hinter dem Sofa hervor, nickte eilig und holte mir meine Süßigkeiten ab.

So war das in den 80ern bei uns zu Hause. In Deutschland gibt es sehr viele unterschiedliche Traditionen zum Nikolaustag. So spielt beispielsweise im evangelischen Mittelfranken der Nikolaus keine große Rolle, sondern es kommt schon am 11. November der „Pelzermärtel“, der die braven Kinder beschenkt und die unartigen bestraft (6). In anderen Gegenden Bayerns kennen vielleicht noch einige Kinder den Krampus, einen sehr schlecht gelaunten Begleiter des Nikolaus, der den Kindern ein wenig Angst einjagen soll. Tja, aber da sich die Erziehungsmethoden seit den 80ern ziemlich verändert haben, sieht man den Krampus heute immer seltener.

Meist handelt es sich bei den Nikolaus-Geschenken für die Kinder übrigens um Süßigkeiten wie beispielsweise einen Nikolaus aus Schokolade, zudem Nüsse und Orangen. Die größeren Geschenke gibt es erst an Heiligabend am 24.12., und die bringt das Christkind. Oder doch der Weihnachtsmann? Tja, den Kindern ist das letztendlich herzlich egal: Hauptsache, es gibt Geschenke!


1 in heller Aufregung: sehr aufgeregt. EN very excited; ES muy entusiasmado.
2 der Eichhörnchendreck: das Eichhörnchen: ein kleines, braunes Tier mit langem Schwanz, das in den Bäumen wohnt und Nüsse frisst. EN squirrel; ES ardilla.
der Dreck: Schmutz. EN dirt; ES suciedad
3 die Begleitung: Nomen von: jemanden begleiten (+Akk): mitkommen. EN accompany; ES: acompañar
4 „von drauß‘ vom Walde komm ich her…“: das ist ein sehr bekanntes deutsches Gedicht von Theodor Storm. Siehe http://weihnachten.tagesspiegel.de/knecht-ruprecht.html
5 Der Weihnachtsmann wohnt angeblich auf dem Nordpol. Er hat aber nichts mit dem Bischof Nikolaus zu tun. Viele Kinder verwechseln den Weihnachtsmann und den Nikolaus, da es so viele unterschiedliche Traditionen und Geschichten darüber gibt.
6 jemanden bestrafen (+Akk): zurechtweisen. EN punish; ES castigar

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