Erlebnisse auf dem Weihnachtsmarkt

So ein Weihnachtsmarkt ist für ein Kind ein magischer Ort. Es duftet nach Zimt und Zuckerwaffeln, aus den Lautsprechern ertönt Last Christmas, und an allen Ecken winken Verkäufer mit zauberhaften kleinen Holzfiguren oder dem Playmobil Adventskalender. Für mich als Erwachsene, die nicht gerne friert und sich nur wenig über Ochsen aus Holz freut, ist der Weihnachtsmarkt kein magischer Ort. Und von Glühwein wird mir leider schlecht. Aber anscheinend finden es alle anderen toll, denn wie jedes Jahr sind unglaublich viele Menschen hier. Ergeben stehe ich auch dieses Jahr in meiner Thermo-Funktionsunterwäsche bei -2°C im Gedränge und trinke kalte Apfelschorle. Wann endlich, frage ich mich, wird es auf dem Weihnachtsmarkt heiße Apfelschorle geben? Oder warmes Bier? Die Generation meiner Großeltern schwor auf warmes Bier als Medizin gegen Erkältungen, vielleicht hilft das auch prophylaktisch?

Kind 1 unterbricht meine Gedanken, indem es mit einem Freudenschrei einen überlebensgroßen Plastik-Nikolaus umarmt, und Kind 2 deutet auf eine in Decken gehüllte Hirten-Figur in der Krippe und schreit, schau mal Mama, da ist DARTH VADER!

Anschließend möchte es Bratwürste. Seufzend pflücke ich Kind 1 vom Plastik-Nikolaus, und zu dritt stolpern wir über die fränkische Version des „echten“ heiligen Bischofs. Da bekommen beide Kinder große Augen und verfallen in ehrfürchtiges Schweigen. Neben der üblichen Mischung aus Bischofsmütze und Coca-Cola-Weihnachtsmann-Equipment hat er über beide Wangen viel rosa Glitzer verteilt. Das, und sein freches Grinsen, deuten auf fortgeschritten Glühwein-Konsum hin. „Wassd a Gedichd?“ (Für alle Nicht-Franken: Kannst du mir ein Gedicht aufsagen?), fragt er meine sprachlose Tochter, da drängt sich ein fremdes Kind vor uns und rattert los, „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.“ Da ergänzt der Kollege Nikolaus, „und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt!“, drückt allen Kindern ein Plastik-Schwein in die Hand und wankt davon. „Boah, der Nikolaus, der sieht aber anders aus als der bei der Oma!“, rufen meine Kinder. „Ja“, sage ich und lenke die Kids Richtung Ausgang, „der musste heute schon viel arbeiten.“ Zuhause bemerke ich, dass noch zwei halbe Bratwürstchen mit Ketchup an meinem Handschuh kleben, und ich freue mich schon auf den Weihnachtsmarkt im nächsten Jahr. Vielleicht nehme ich mir dann eine Maß warmes Bier in der Thermoskanne mit.

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