Das deutsche „r“ – und warum wir es manchmal nicht aussprechen*

Update: Leider kann ich die Audiodateien hier nicht einbinden; du findest sie vorerst hier:
http://www.teamdeutsch.com/sprachtraining

Liebe Deutsch-Lerner, ich finde es toll, dass ihr unsere komplizierte und schwierige Sprache lernt. Nun wollt ihr bestimmt nicht nur Wortschatz und Grammatik gut beherrschen, sondern am besten auch möglichst ohne Akzent Deutsch sprechen. Tja, das erscheint euch wahrscheinlich ähnlich realistisch wie eine Woche ohne Regen in Deutschland. Ha! Gibt es doch gar nicht! Ich weiß, es ist als Erwachsene/r (fast) nicht zu schaffen völlig ohne Akzent zu sprechen, aber heute möchte ich euch einen Tipp geben, der euch diesem Ziel einen Schritt näher bringt. Also, bitte aufgepasst, heute geht es um eine phonetische Besonderheit des deutschen „r“.

Eine kleine Aussprache-Übung! Bitte lest folgenden Satz laut:
Der verschlafene Bär wird immer wieder von seiner Schwiegermutter gefüttert.

So, lasst uns zählen. In diesem Satz finden wir 10x den Buchstaben r. Und wie oft sprechen wir ihn tatsächlich als (eine Variation des Lautes) /r/ aus? Also entweder als gerolltes „Zungen-r“ oder als Reibelaut hinten im Gaumen?

Die Antwort: Gar nicht! Hör mal: http://www.teamdeutsch.com/sprachtraining

Hättet ihr es gewusst? (Erzählt es mir doch in den Kommentaren!) Tatsächlich sprechen wir jedes Mal einen Laut, den man am besten mit einem reduzierten, unbetonten /a/ beschreiben kann – ähnlich des unbestimmten Artikels im Englischen:
a book.

So…WANN SPRECHEN WIR DAS reduzierte, unbetonte /a/, obwohl wir „r“ schreiben?
[ɐ̯]

  • vor Konsonanten: morgen, Karte, lernen, Wort
  • am Wortende: dir, ihr, wer, gar, dieser, immer, der, er, mir, sehr, vor

WANN SPRECHEN WIR DAS „r“ ALS /r/? ( [r] bzw. [ᴚ])

  • vor Vokalen / Umlaut: Frau, grau, Bruder, Strudel
    außer: am Silbenende!
  • am Wortanfang: raten, reden, rot, rufen, Rätsel, rund

Falls das eine neue Information für euch ist, tröstet euch: ihr seid nicht die einzigen. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele meiner fortgeschrittenen Schüler noch nie zuvor davon gehört haben. Und doch ist der Unterschied riesig: Wenn du das beachtest, klingt deine Aussprache sofort sehr viel „deutscher“. Denn gerade die Aussprache des r verrät wie kein anderer Laut, woher du kommst. Übrigens auch bei uns deutschen Muttersprachlern!**

Und falls ihr euch jetzt fragt: wie um Himmels Willen soll ich unterscheiden können? Vielleicht hilft euch folgende Überlegung:
Beispiel: Mutter. Egal ob du „Mutta“ oder „Mutter“ sagst, man versteht dich.
Jetzt das umgekehrte Beispiel: Brunnen. Sagst du „Baunnen“, dann wird man dich nicht verstehen können.

=> wenn es für das Wort-Verständnis egal ist, ob du das reduzierte /a/ oder /r/ sprichst, dann sprechen wir das reduzierte /a/.

*Ok, das war gelogen. Ich habe keine Ahnung, warum wir das „r“ manchmal nicht als /r/ aussprechen. Vermutlich war es ein Akt der Einsicht – unsere Sprache klingt ohnehin schon so, als ob wir uns ständig streiten würden! Neben der Auslautverhärtung und unserem ständigen „ch“ auch noch jedes „r“ auszusprechen wäre wirklich eine Zumutung.
**Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung spricht das /r/ „hinten im Gaumen“ als Reibelaut aus, der dem französischen /r/ ähnelt. Ein kleinerer Teil der vor allem im Süden lebenden Deutschen rollt das /r/ hinter den Zähnen – so ähnlich wie die Spanier. Wenn mich als bayerische Frau jemand in Hamburg sprechen hört, dann werde ich sofort als Bayerin identifiziert!
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