Und wie geht es dir, Ana-Maria (Rumänien)? Der Deutschlandfragebogen

Heute stelle ich euch Ana vor; sie wohnt in meiner Heimatstadt, und ich freue mich immer sehr, wenn wir uns begegnen. Meistens bei Kaffee und dem leckeren Fantakuchen meiner Schwester, und mit viel fröhlichem Kinderlärm im Hintergrund.
Danke, dass du heute deine Erfahrungen mit uns teilst!

Name: Ana-Maria
Alter:
35
Herkunft:
Rumänien
In Deutschland seit:
2003
Familie:
verheiratet, 2 Kinder
Wohnort:
Neumarkt i.d.OPf.

Wie war dein Start in Deutschland?
Die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, basierte 2003 auf dem Wunsch in der Nähe meines damaligen deutschen Freundes und jetzigen Mannes zu sein. Ich wurde herzlich aufgenommen von seiner Familie und von Mitgliedern der Baptistengemeinde in Weimar, die mein Freund damals besuchte. Vor allem die Gemeinschaft mit Christen hat mir das Einleben in Deutschland erleichtert.

Was meinen beruflichen Start in Deutschland betrifft, war die erste Erfahrung mehr als ernüchternd. Der Grund dafür ist, dass mein Universitätsabschluss zwar in Deutschland anerkannt, jedoch keinem deutschen Abschluss gleichwertig ist. Demzufolge darf ich in Deutschland nicht als Lehrerin arbeiten, wie mir von den deutschen Behörden im Vorab meiner Auswanderung versichert wurde.

Seit wann fühlst du dich in Deutschland richtig zu Hause? Was (oder wer) hat dir dabei geholfen?
Mit der Geburt unserer ersten Tochter habe ich angefangen mich in Deutschland heimisch zu fühlen. Die Gemeinschaft mit anderen Müttern hat entscheidend dazu beigetragen.

Was fehlt dir?
Am meisten fehlen mir die rumänische Spontaneität und die gemeinsame kulturelle Basis, das Selbstverständliche, das die alltägliche Kommunikation und den Umgang miteinander erleichtert. Das Ausleben der rumänischen Traditionen und Feiertage sowie das Kommunizieren in rumänischer Sprache vermisse ich jetzt nach 13 Jahren Aufenthalt in Deutschland genauso wie in den ersten Tagen meines Daseins hier.

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Du bist schon einige Jahre hier. Wie hat sich dein Verhältnis zu den Deutschen verändert – und zu den Menschen in deiner Heimat?
Mein Verhältnis zu den Deutschen ist mit der Zeit einfacher geworden. Ich hinterfrage jetzt im Allgemeinen viel weniger die Verhaltens- und Ausdrucksweise, und Vieles im Alltag ist selbstverständlich geworden. Es hat ein Lernprozess stattgefunden, der auch dazu geführt hat, dass ich mich zu den Menschen in meiner Heimat irgendwo distanziert habe und angefangen habe meine kulturelle Prägung zu hinterfragen.

Was ist für dich „typisch deutsch“?
Es gibt nicht wirklich ein „typisch deutsch“. Ich würde eher sagen, dass einige Deutsche sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten und bestimmte wiederkehrende Denkmuster aufweisen. Dazu gehört: Pünktlichkeit, Genauigkeit, Vorurteile gepaart mit Angst gegenüber Ausländern, Vertrauen in die gute Versorgung durch den Staat, Stolz auf die Wirtschaftsleistung des Landes und die Überzeugung an einem der besten Orte der Welt leben zu dürfen.

Was gefällt dir in Deutschland / an den Deutschen?
Deutschland ist im Allgemeinen ein sicheres Land, in dem Sauberkeit großgeschrieben wird.
Zu den positiven Eigenschaften der Deutschen zähle ich ihren Sinn für Freizeitaktivitäten sowie die Reisebereitschaft.

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Wann musst du über die Deutschen lachen?
Ich finde es durchaus witzig, dass man in Deutschland an bestimmten Tagen im Jahr, sprich Fasching, lustig sein sollte oder darf, während im Laufe des Jahres eher ernst zu sein angebracht ist
.

Und was empfindest du als besonders anstrengend?
Der konstruktive Umgang mit Vorurteilen bzgl. meiner Herkunft erfordert viel Energie und Selbstbeherrschung.

Was hast du durch den Wechsel nach Deutschland über dich und die Welt gelernt?
Ich habe gelernt, dass meine Persönlichkeit komplexer ist als meine kulturelle und familiäre Prägung.. Beim Einleben in die fremde Kultur darf man jedoch seine eigene Identität nicht verlieren. Ich habe ebenfalls gelernt, dass jemand selbstverständlich sagen kann, wo ich herkomme, jedoch niemals wo ich hingehe.

Was macht dich glücklich?
Die positive und konstruktive Kommunikation sowie die Gemeinschaft mit Menschen egal welcher Herkunft empfinde ich als Bereicherung für mein Leben.

4 Worte über die Deutschen
pünktlich, detailverliebt, haben einen hohen Qualitätsanspruch, reiselustig

4 Worte über deine Landsleute
spontan, gastfreundlich, musikalisch, naturverliebt

Ein paar Lieblinge: Buch, Film, Musik
Buch: Die Bibel
Film: Meine Lieder, meine Träume
Musik: Indila, Milow

Liebe Ana, vielen Dank fürs Mitmachen! Bis bald, hoffentlich, in Woffenbach 🙂

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2 Gedanken zu “Und wie geht es dir, Ana-Maria (Rumänien)? Der Deutschlandfragebogen

  1. Danke, liebe Susanne, dass du uns solche interessanten Menschen vorstellst.

    Ana-Maria, ich habe mich in vielen deiner Antworten wiedergefunden. Besonders interessant fand ich, dass du sagst, beim Einleben darf man seine Persönlichkeit nicht verlieren 🙂

    Viele Grüße nach Woffenbach!

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